Post von Antonia

Ab sofort werden wir in unserer Rubrik „Post von…“ regelmäßig aus dem Alltag unserer Community-Mütter berichten.

Den Anfang macht Antonia. Sie ist seit der ersten Stunde Teil unserer SOLOMÜTTER-Community, hat zwei Kinder und lebt im Norden Münchens. Für SOLOMÜTTER hat Antonia bereits über ihr Leben als Bonusmama in einer Patchwork-Konstellation geschrieben und sich hinter den Kulissen an vielen Diskussionen beteiligt.

Wie Antonias Leben als Alleinerziehende sonst so aussieht, das erfahrt Ihr ab sofort regelmäßig in dieser Rubrik.

Meine Trennung

Wann war für dich klar, dass du dich trennst? Was war ausschlaggebend dafür dich zu trennen? Diese Fragen höre ich bis heute sehr, sehr oft — sei es im privaten Umfeld oder über mein Profil auf Instagram. Manchmal von Frauen, die einfach neugierig sind. Manchmal von Frauen, die vielleicht nach Hilfe suchen, um selbst eine solche Entscheidung treffen zu können.

Fast scheint es, als würden sich einige den ultimativen Tipp von mir erhoffen, denn heute, mehr als 4,5 Jahre nach meiner Trennung, stehe ich wieder fest im Leben, habe meinen Alltag im Griff und eine neue Partnerschaft. Wenn ich mir heute mein Leben ansehe, ja, dann sehe ich es selbst auch: Gut hinbekommen!

Aber das war bei weitem nicht immer so.

Es war kurz nach Silvester 2017 als ich die Entscheidung traf, dass ich mich aus meiner damaligen Beziehung lösen wollte. Ich hatte einen Moment, in dem für mich feststand, dass ein schon sehr lange andauerndes Immer-wieder-versuchen-Wollen ein Ende finden musste. Ich hatte für mich entschieden, dass das Leben damals nicht das war, was ich meinen Kindern vorleben wollte. Es war nicht das Leben, dass meine Kinder als “das Normale” erleben sollten. Unser Leben war kein Umfeld mehr, in dem ich meine Kinder aufwachsen lassen wollte.

Wer jetzt eine eiskalte Abrechnung oder Körbe voll dreckiger Wäsche erwartet, den muss ich enttäuschen: Vier Monate später war der Vater meiner Kinder ausgezogen — und er hatte die Waschmaschine mitgenommen. Backofen und Vorhänge ebenso.

Geschafft, dachte ich. Die Kinder und ich verbrachten den Abend im Schlafzimmer. Wir verschoben das Bett, dekorierten um und machten es uns gemütlich. Meine Tochter war zu diesem Zeitpunkt 2,5 Jahre alt und ich hatte seit ihrer Geburt mit in ihrem Zimmer geschlafen. Nun werkelten wir also zu dritt im Schlafzimmer, das nun endlich zu meinem Zimmer wurde und kuschelten uns danach zu dritt zusammen in den Schlaf. Er war ausgezogen. Ich hatte es geschafft!

Und dann hatte ich sie natürlich doch. Die dreckige Wäsche — und das ohne Waschmaschine. Die war ja mit ihm ausgezogen. Hatte er ja damals bezahlt. Logische Konsequenz also. #ironieoff

Wir liefen in den kommenden Wochen ein bis zweimal mal pro Woche mit einem prall gefüllten Wäschekorb vier Häuser die Strasse hinauf. Nach einem Capuccino im Wohnzimmer einer lieben Freundin, während die Kinder zusammen spielten, ging es wieder zurück nach Hause: mit sauberer Wäsche.

“Mama warum hat Papa denn unsere Waschmaschine mitgenommen?” Ich schwieg. Ich schwieg und war fest davon überzeugt, ich hätte alles im Griff. Eine neue Waschmaschine kaufen? Nein. Mit einer Teilzeit Festanstellung als Assistenz der Geschäftsführung und allein in einer gemieteten Doppelhaushälfte war eine neue Waschmaschine gerade nicht drin. Ich schwieg und war fest davon überzeugt, ich hätte alles im Griff.

Aber abends kam sie dann, eine Welle aus Angst, Alleinsein und Sorgen — immer und immer wieder.

Ich hatte den Sprung aus der Beziehung geschafft, hatte Jahre hinter mir gelassen, in denen ich es immer allen und vor allem ihm recht machen wollte und sollte. Ich hatte Zeiten überstanden, in denen ich sowieso für alles was eben nicht lief die Schuld trug. Jahre, in denen ich neben dieser Schuld noch so viel mehr trug und ertrug. Und es war richtig und gut, dass ich die Trennung geschafft hatte. Aber wie sollte es nun weiter gehen?

Eine Zeit lang konnte ich meinem Umfeld glaubhaft machen, dass ich alles gut schaffte. Eine Zeit lang nahmen sie mir die Antwort “Alles gut!” ab. Eine Zeit lang verbot ich mir mein inneres Schreien, dass es mir eben nicht gut ginge. Dass ich eine neue Waschmaschine brauchte. Dass ich Hilfe brauchte. Dass ich abends einfach nicht mehr konnte. Dass ich in Schuldgefühlen meinen Kindern gegenüber erstickte. Dass ich mich immer mehr in den Gedanken verrannte, sowieso nie wieder einen neuen Partner zu finden.

Und dann besuchte mich eine Freundin und legte mir nach einem gemeinsamen Kaffee einen Umschlag auf den Tisch. “Kauft euch eine Waschmaschine. Gib es mir zurück, wenn es bei dir geht.” Dann klingelte vormittags eine andere Freundin und zog uns mit zum Spielplatz. Ich wollte nicht, fühlte mich müde und k.o., aber sie gab nicht auf und zog uns mit. Alle drei.

In einem Telefonat mit meiner Tante brach dann alles aus mir heraus. Ich konnte nicht mehr. Mein Bild nach außen, das ich so sehr gehegt hatte, brach.

Meine Tante kam ein paar Tage später zu uns und brachte alles auf Vordermann: Mein Haus. Meinen Garten. Und mich.

Und sie brachte etwas mit. Etwas Unbezahlbares. Sie brachte mir eine helfende Hand — und Mut. Mut, das alles irgendwann auch wieder allein zu schaffen. Ihre helfende Hand reichte sie mir übrigens ohne Vorwürfe, ohne Kritik und ohne große Fragen.

Und ich? Ich weinte. Die Welle kam wieder. Aber diesmal war es eine Welle der Erleichterung. Und eine Welle voller Stolz auf mich selbst, denn ich hatte etwas Wichtiges geschafft: Ich hatte gelernt Hilfe anzunehmen. Die ersten Schritte waren getan und ich glaubte fest daran, dass mir die nächsten schon ein bisschen leichter fallen würden.

Ich glaubte wieder an mich und daran, dass ich all das schaffen könnte!

Über mich

Herzlich willkommen in meinem Tagebuch aus meinem Alltag als Alleinerziehende!

Mein Name ist Antonia, ich bin 38 und Mama von 2 Kindern. Mein Sohn ist 9 Jahre alt und in der 4. Klasse einer Montessori Schule, meine Tochter ist 6 und wird bald eingeschult. Wir leben im Norden von München. Ich bin eine alleinerziehende und in Vollzeit berufstätige Mama und ich möchte Euch meine Geschichte erzählen. Meine Geschichte über meine Trennung, meine Kinder, mein Alltag als Alleinerziehende, meine neue Liebe, meinen Job, mein ich.

 

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